Es ist Wochenende. Ein wichtiges Thema brennt mir unter den Fingernägeln. „Und was machst du so am Wochenende?“ , das ist die Standardfrage, die man im Büro ab Donnerstag öfter hört. Ich würde mich jedes Mal gerne um die Frage herum drücken. Dennoch - Ich antworte heute mal ausführlich.

Um es vorweg zu nehmen, ich werde nicht antworten, dass ich feiern gehe, mich voll laufen lasse oder sonstige Ausgehpläne habe. Meine Antwort wird eine andere sein. Und das liegt daran, dass ich introvertiert bin. Ich fühle mich manchmal wie ein Mensch vom Mars, falls es die geben sollte. Nicht, dass ich mich selber nicht nachvollziehen kann, nein. „Wie, du gehst nicht feiern heute Abend, ist doch überall viel los?“ und „in Berlin muss man doch was machen!!“ Das sind die Antworten, die mich zum Marsmensch machen - nämlich durch die Reaktionen der Extrovertierten um mich herum. Warum schauen die mich so mitleidig an? Ich verpasse nichts. Schau dir doch mal meine Seite der Medaille an. Da ist es auch sehr bunt und fröhlich. Aber eines fehlt mir und das ist dein Verständnis und deine Toleranz.

Ich möchte dir einmal vier Beispiele geben. (Im übrigen: jetzt wo du das gelesen hast, überlege dir eine andere Frage für nächste Woche ;))

1. Wie du gehst heute nicht feiern?

Entweder diese Frage oder eine andere. Für mich das Gleiche. Egal ob ich zum Feiern eingeladen werde oder privat mit viel lauter Musik und viel Flüssignahrung das Wochenende genießen soll - das wird nicht funktionieren.

Und das ist ganz wichtig - ich tue das nicht, um dich zu beleidigen oder als Gastgeber zu kränken. 

Stell dir einen Benzintank vor. Du füllst ihn über Nacht. Nun fährst du zur Arbeit und verlierst schon unterwegs sehr viel Treibstoff, weil aufmüpfige und schreiende Kinder den Tank angeschossen haben. Die Fahrt geht aber weiter. Im Büro gibst du vielleicht hier und da ein bisschen Treibstoff an die Kollegen ab um zu helfen und dein Gehirn verbraucht Energie um die Konzentration in der lauten Umgebung aufrecht zu erhalten. Nun ist Feierabend - das selbe Prozedere wie am Morgen, du fährst nach Hause. Zu Hause angekommen ist der Tank fast leer. Und damit auch die Energie, die ich für Aktivitäten mit viel Lautstärke und viel Trara gebraucht hätte. Es frustriert mich manchmal, dass mir die Energie dazu fehlt. Ich stelle mich dann eher in die Küche und koche für Freunde, das ist für mich Entspannung. Und ich verbringe auch einen schönen Abend - mit weniger Menschen aber guten Freunden. 

2. Ich kann leider nicht so lange vorplanen

Das Leben ist eine Ansammlung an zufälligen Ereignissen. Ich möchte nie das Gefühl haben, etwas verpasst zu haben - auch wenn ich das eigentlich öfter tue. Zumindest in den Augen der Außenstehenden. Wenn du mich fragen solltest, ob ich in sechs Monaten an dem Freitag um 19 Uhr Zeit habe, kann ich dir meistens nur ans Herz legen, mich noch einmal zwei Tage vor dem Event anzusprechen oder sogar am gleichen Abend.

Ich plane meine sozialen Aktivitäten nicht im Voraus, weil ich mir meine Freiheit bewahren möchte. Ich weiß eben nie, wie voll der Tank am Ende des Tages oder der Woche noch ist.

 

 

3. Ich habe da eine interessante Frage an dich

Warum ich gemütliche Abende im Restaurant bevorzuge hat einen weiteren sehr wichtigen Grund. Oberflächliche Gespräche langweilen mich. Natürlich weiß ich auch die Nutzen und Vorteile von Smalltalk zu schätzen, aber das nur, wenn ich die Menschen nicht länger als eine halbe Stunde kenne. Ich möchte dich besser kennen lernen, ich möchte auf einer Welle schwimmen und mich darüber freuen, etwas dazu gelernt zu haben. Das ist der Grund, warum ich tiefgründige Gespräche liebe. Mir fehlt es im Alltag, diese Aha Erlebnisse zu haben und einmal hinter die Kulissen zu schauen. Mich faszinieren Menschen, die sich trauen etwas Persönliches von sich zu erzählen. Und eben auch an dem interessiert sind, was mich bewegt. 

4. Ich bin meine eigene Tankstelle

Ich komme noch einmal zum Benzintank zurück. Ich bin meine eigene Tankstelle. Ich tanke Energie, indem ich mit mir alleine bin - zu Hause. Versuche mich trotz dessen auf eine angeblich gemütliche Runde einzuladen, wird mir nicht helfen aufzuladen. Es ist als würdest du Diesel in den Tank kippen. Das bringt den Motor durcheinander, ich bin hin und her gerissen zwischen meinem Bedürfnis der Ruhe und dem Anspruch, den die überdurchschnittlich extrovertierte Gesellschaft an mich stellt. Nach Hause gehen ist für mich ein Grundbedürfnis - dies könnte gerne die Maslow Pyramide ergänzen.

Ich tanke auf, indem ich kreative Dinge tue. Rezepte entwickeln, kochen, zu zeichnen versuchen, schreiben lesen, inspirieren lassen, Pläne schmieden und über Träume nachdenken. Ich kann gut allein sein und das ist überaus positiv wie ich finde. Ich weiß ja, dass all die lieben Menschen da sind, auch wenn nicht genau in diesem Moment. Das macht nichts. Ich lebe zur Höchstform auf, wenn ich die Wohnung für mich habe. Ich bin dann noch mehr ich selbst. Ich gehe früh morgens joggen, ich arbeite meine ToDo Listen ab, räume die Wohnung auf und stoße neue Projekte an. Das ist Erfolg und macht mich glücklich. Glück hole ich mir aus meinem eigenen Inneren und nicht von Außen.

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