Das Milchpreisproblem ist seit Längerem in aller Munde. Mich hat interessiert, welche Entwicklungen die Milchbauern gerade miterleben und wie sie damit umgehen. Ein kurzes Gespräch mit Jessica Bertmer von Söbbeke

Wie ist die Lage der Milchbauern im Augenblick?
Die Marktsituation im Biobereich ist eine völlig andere als im konventionellen Bereich. Im konventionellen Bereich ist der Milchpreis aufgrund der schlechten Exportsituation zusammengebrochen.
Bio-Milch ist nicht exportabhängig. Der Preis für Bio-Milch ist stabil geblieben. Unsere Milchlieferanten erhalten daher einen für sie auskömmlichen Preis.


Welche Schuld tragen die Verbraucher an den Milchpreisen? Die Nachfrage an Artikeln im Ausland ist zurückgegangen. Viele Verbraucher wollen generell nicht viel für ihre Lebensmittel bezahlen. Das drückt natürlich auch die Auszahlungspreise.

 

Essen wir heute weniger Milchprodukte (wegen Laktoseintoleranz etc.) und merken Molkereien Unterschiede zwischen damals und heute? 

Laktosefreie Produkte nehmen natürlich weiterhin zu und werden immer differenzierter. Das heißt auch, dass die Kunden nach veganen Ersatzprodukten Ausschau halten.

Welche neuen Tendenzen entwickeln sich in der Milchindustrie? Gibt es bestimmte Trends und geschmackliche Vorlieben?  

Der Verbraucher sucht immer mehr hochwertigen Genuss. Diesen bieten wir bei Söbbeke zum Beispiel im Bereich Desserts. Zudem wird immer mehr auf Inhaltsstoffe geachtet. Da wir keine Konservierungs- und Farbstoffe sowie keine Aromen hinzusetzen, wählt der kritische Verbraucher immer mehr Bio-Produkte.

Was macht den größten Unterschied im Preis - Bio vs. Konventionell? Futter etc.?
Die Flächenproduktivität ist im Bioanbau deutlich geringer als in der konventionellen Landwirtschaft. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche ist es aber, die immer knapper und damit teurer wird. Die Verknappung erfolgt zum einen über den generellen Verlust an landwirtschaftlich genutzter Fläche durch Straßenbau sowie Industrie und Wohnbebauung und Anpflanzung von Wald als Ausgleich für diese Bebauung. Ein weiterer Punkt für die Verknappung ist der Anbau von Pflanzen für die Biogasanlagen und die Intensivtierhaltung. Höhere Kosten hat der biologisch wirtschaftende Milcherzeuger auch bei dem Eiweißfutteranteil in der Ration, diese kann ein konventioneller Landwirt durch Zukauf von Soja aus Importen geringer halten als ein Biobauer durch Anbau von z.B. Bohnen.

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